Wirtschaft auf Transformationskurs zurück
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Bernhard Felder und Peter Brezinschek gaben beim Raiffeisen-Konjunkturforum Krisenentwarnung. Manager Fredmund Malik sieht „Syntegration“ als Mittel aus der Krise
Verkehrstechnisch ging in Velden nichts mehr. Einen Megastau verursachte das von Raiffeisen und der Kleinen Zeitung veranstaltete Konjunkturforum, an dem an die 1.000 Gäste im Casineum gezählt wurden. Alle wollten die Prognosen von IHS-Boss Bernhard Felderer und Raiffeisen Research-Chefanalyst Peter Brezinschek aus erster Hand erfahren. Neue Chancen und Lösungen für die Kärntner Wirtschaft hatte Fredmund Malik, Chef des Malik Management-Zentrums in St. Gallen, parat.

VDir. Gert Spanz, Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer, VDir. Peter Gauper, Wirtschafts-Guru Fredmund Malik, Peter Brezinschek, Aufsichtsratsvorsitzender Robert Lutschounig, VDir. Georg Messner
Gemeinsam aus der Krise
Der Gastgeber, Vorstandsdirektor Peter Gauper von der Raiffeisenlandesbank Kärnten, will mit dem traditionellen Konjunkturforum Zuversicht verbreiten. "Wir stehen in Kärnten vor hausgemachten Herausforderungen", sagt Gauper, der mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2010 blickt. So wie Raiffeisen vor über 130 Jahren aus der Krise entstanden sei, müsse man jetzt auch gemeinsam daran arbeiten, die Krise zu überstehen. Die 47 Raiffeisenbanken sollen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Denn 275.000 Kunden und davon 25.000 Unternehmer vertrauen auf das Giebelkreuz.
Kärnten ist Industrieland
Zuversicht versprühte IHS-Chef Bernhard Felderer. Demnach zeigt in den USA der Supply Management Index wieder nach oben. Die Industrieproduktion geht bergauf und die Produktionspreise ziehen an. Ein ähnliches Bild der Konjunkturerholung zeichnet Felderer für Deutschland. Zwar steigen die Aufträge, seien aber noch unter dem Vorjahresniveau. In Österreich seien die Aufträge laut Felderer "weniger abgestürzt als in Deutschland". Die Aufträge in der Industrie seien leicht positiv. "Kärnten ist ganz klar ein Industrieland geworden", sagt Felderer. So sei auch das Wirtschaftswachstum in Kärnten besser als im Bundesvergleich. Auf was man laut Felderer aber noch immer aufpassen müsse: Die öffentliche Verschuldung.
Am Wettbewerb gescheitert
Bestes Beispiel öffentlicher Verschuldung ist derzeit Griechenland. Chefanalyst Peter Brezinschek sagt: "Die Griechen sind an ihrem Wettbewerbsproblem gescheitert." Statt die Konkurrenzfähigkeit zu verbessern, seien Lohn-Stück-Kosten ausgeweitet worden. Dass der Euro seine Erfolgsgeschichte weiterführen kann, sei jetzt von den Budgetsanierungen der Staaten abhängig. Was die Zinsen betrifft prognostiziert Brezinschek weiterhin Niedrigniveau. Erst Ende 2010, Anfang 2011 ortet der Experte einen Zinsanstieg. Aktien seien im Wachstum laut Brezinschek der Krise immer ein Stück voraus – was jetzt der Fall ist. 2010 sei das Jahr der Unternehmensgewinne und das sei wesentlich für die langfristige Entwicklung. In der ersten Jahreshälfte dominiere dennoch Vorsicht. Chancen bei Risikogeschäften sieht Brezinschek erst für Ende 2010.
„Syntegration“ als Unternehmens-GPS
Europas führender Management-Vordenker, Fredmund Malik, sieht die Wirtschaft und Gesellschaft im 21. Jahrhundert in einer Art Transformation. So wie eine Raupe stirbt und ein Schmetterling aus ihr geboren wird. Die Herausforderung sei es, doppelt so gut zu funktionieren mit der Hälfte des zur Verfügung stehenden Geldes. Malik sagt: "Die Zeit des exzessiven Egoismus ist vorbei." Der Vordenker behauptet, in nur dreieinhalb Tage könne man Unternehmen wie Gemeinden aus Krisen in eine gesunde Zukunft lenken. Malik: "Die Probleme sind nicht rot, schwarz, grün oder blau, sondern komplex." Neue Lösungsansätze zur Krisenbewältigung sieht Malik in drei Punkten: Alleinstellung durch Spezialisierung, Denken und Handeln wie beim GPS vernetzen sowie richtiges und gutes Management einsetzen. Das Zauberwort für alle dieser Bereiche sei Syntegration.
Spruchreif:
Peter Gauper:
Der Motor stottert seit 2008. Wir brauchen jetzt Phasen des Miteinanders.
Wir brauchen neue Lösungen und Zugänge.
Bernhard Felderer:
Nach den Erfahrungen der letzten Jahre sind wir ein bisschen vorsichtiger geworden.
Dunkelrot? Das war ein freudscher Versprecher (im Hinblick auf ein Chart mit grünen Balken)
Peter Brezinschek:
Zur Staatsverschuldung: Bis jetzt war es eine ruhige See, jetzt ist Sturm aufgekommen.
Die Griechen haben die Vorteile einer Währungsunion nicht verstanden.
Aktienmärkte laufen der Wirtschaft voraus.
Fredmund Malik:
Ungehemmtes Wachstum führt unweigerlich zum Kollaps.
Krisen sind die Geburtswehen einer neuen Welt.
Große Konferenzen sind eine einzige Orgie der Hilflosigkeit.
Kärnten ist kein negativer Sonderfall.
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