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| Keine Angst vor der Billigkonkurrenz |
| Der Vorteil der KMU |
| Politische Risken in neuem Gewand |
| Tipps für Grenzgänger |
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Immer wieder ist zu lesen, dass durch die Globalisierung "die Kleinen unter die Räder kommen". Ist die Globalisierung für Österreich mehr Chance oder mehr Risiko?
Für Österreich ist die steigende Vernetzung von Ländern und Regionen ganz offensichtlich mehr Chance als Bedrohung. Die Globalisierung ist ja nicht wirklich so neu und der traditionell hohe Außenhandel Österreichs tut dem Wohlstand des Landes sichtlich gut: Aufgrund des kleinen Heimmarktes ist unsere Wirtschaft beinahe dazu gezwungen, mehr auf dem internationalen Parkett unterwegs sein als Mitbewerber mit großen Binnenmärkten. Unsere Exportquote liegt über dem Schnitt der EU und sie liegt auch weit über der des so genannten Exportweltmeisters Deutschland.
Die zweite Seite der Globalisierung heißt aber globaler Wettbewerb, Billigkonkurrenz aus Fernost und Abwandern von Produktionsstätten. Ist Österreich davon nicht auch betroffen?
Natürlich bläst der Wettbewerbswind heute viel brutaler als noch vor zehn oder 20 Jahren. Wendigkeit und Tempo werden daher immer wichtiger. Und da ist die KMU-Struktur der österreichischen Industrie ein wichtiger Vorteil: Bis ein Großkonzern alle seine Leute auf neue Produkte, neue Botschaften, neue Abläufe oder Geschäftschancen eingeschworen hat, vergeht naturgemäß mehr Zeit als in kleineren Einheiten. Die "mentalen Umrüstzeiten" von KMU sind einfach kürzer. Das ist eine unsere Chancen!
Auf der Kostenseite gibt es natürlich neben dem zusätzlichen Druck durch Billigproduzenten auch viele eigene Möglichkeiten. Gerade die österreichische Außenwirtschaft hat da seit dem Fall des Eisernen Vorhangs eine Aufholjagd hingelegt, die ohne Beispiel in unserer Geschichte ist. Die offizielle österreichische Ausfuhrförderung und die Oesterreichische Kontrollbank sind an dieser Entwicklung sehr aktiv beteiligt gewesen. Unser Portefeuille von gegenwärtig rund 33 Mrd. Euro steht inzwischen auf zwei gleich starken Beinen, nämlich einem zur Unterstützung für Exportgeschäfte wie Warenlieferungen und einem zweiten für Direktinvestitionen wie Firmengründungen oder Akquisitionen im Ausland.
Wird die Welt sicherer? Soll ein Exporteur seine Geschäfte z. B. in Slowenien überhaupt noch versichern?
Seit dem Ende des kalten Krieges haben globale politische Spannungen deutlich abgenommen. Auch das Risiko von Schuldenkrisen ganzer Kontinente oder einzelner Großschuldner scheint gebannt. Doch mit der nahezu weltweiten Übertragung von Investitionsverantwortungen vom Staat zu privaten Institutionen – Stichwort Privatisierungen oder Stichwort Public Private Partnership – nehmen im Gegenzug wirtschaftliche Risken zu.
Beim Jahresabschluss ist es dann ziemlich unerheblich, warum ein Kunde nicht bezahlt hat – es fehlt ganz einfach Geld in der Kasse. Daher meine Empfehlung: natürlich versichern, und zwar auch Slowenien. Der Wert von Versicherungen geht freilich darüber hinaus. Er liegt auch in einer verbesserten Risikoanalyse, in Tipps, wie die Firmen einzelnen Risken begegnen können und vor allem in besseren Finanzierungsbedingungen seitens der Banken.
Noch ein Satz zum politischen Risiko: Dieses kommt heute in anderen Gewändern daher als vor zehn oder 20 Jahren. Nicht mehr Kriege oder Zahlungseinstellungen von ganzen Staaten sind unsere Hauptsorge, sondern z.B. mögliche UN-Sanktionen gegen den Iran oder Willkürakte von Regierungen oder regierungsnahen Stellen, ob in Venezuela, Argentinien, in Bolivien, Ecuador, Russland oder Thailand.
Welche Tipps haben Sie für Exporteure parat, im Besonderen für kleine Firmen, die gerade erst ihre ersten Gehversuche außerhalb der Landesgrenzen machen?
Mein Ratschlag richtet sich an alle, ob KMU oder Großbetrieb: Überlegen Sie, wie Sie Ihre Produkte "veredeln" können. Was können Sie Ihren technisch hoch stehenden Maschinen, Ihren schmackhaften Lebensmitteln oder Ihren Beratungsleistungen an Qualitäten hinzufügen, damit Sie Ihre Preise ordentlich erhöhen können: Design, ein neues Image, die schnelle Verfügbarkeit, eine anschauliche Betriebsanleitung, eine Einschulung in einer exotischen Sprache, Tipps für Komplementärprodukte, eine kreative Finanzierungsstruktur – alles Attribute, die nicht nur die Chancen für einen Auftrag erhöhen, sondern auch einen schöneren Deckungsbeitrag erlauben sollten.
Junge Außenhändler sollten sich darüber hinaus die besondere Expertise der österreichischen Banken, das Engagement der WKÖ und ihrer Handelsdelegierten und natürlich auch die Leistungen der Kontrollbankgruppe zunutze machen. Reden Sie möglichst früh mit uns über Ihre möglichen Geschäfte.
Herr Mag. Schipfer, herzlichen Dank für das Gespräch.
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